Wie Sie eine Begegnung mit Wildschweinen unbeschadet überstehen

Braunbären sind ja bisher in unseren Wäldern sehr selten anzutreffen und auch die als besonders gefährlich verunglimpften Wölfe sieht man bisher eher in Zoos denn im Wald. Die für den Menschen gefährlichsten Waldbewohner Deutschlands, die Wildschweine, sind dagegen recht häufig.

Wildschweine sind sehr anpasssungsfähig und leben nicht nur im Wald sondern auch auf freier Flur und auch in Stadtnähe. In Berlin haben die mächtigen Borstenviecher sogar fast völlig die Scheu vor den Menschen verloren und tummeln sich in Parks, auf Friedhöfen und sogar in Vorgärten.

Drei schlafende Frischlinge – Foto: © Martina Berg

Eine unverhoffte Begegnung kann je nach Situation sehr gefährlich werden. Wie Sie sich bei ihrem nächsten Zusammentreffen mit einem Wildschwein oder gar einer ganzen Rotte richtig verhalten, erfahren Sie, wenn Sie weiterlesen.



Im Frühjahr sind Bachen besonders angriffslustig

Gerade jetzt sind die Wildschweinweibchen (Bachen) besonders agressiv. Sie haben meist Nachwuchs und beschützen ihre frisch geworfenen Ferkel (Frischlinge). Das Wildschweinnest selber liegt meist in dichtem Unterholz. Wenn Sie die Wege im Wald nicht verlassen, werden sie einem Wildschweinwurfplatz daher nicht zu nah kommen.

Schleichen Sie nicht durch den Wald

Schon einige Tage nach der Geburt streift die Bache zusammen mit ihren Frischlingen auf Nahrungssuche durch den Wald. Wenn sie einen Menschen früh genug entdeckt, zieht sie sich mit ihrem Nachwuchs zurück. Seien Sie daher bei einem Spaziergang in Wildschweingebieten nicht zu ruhig. Unterhalten Sie sich, treten Sie auf Äste, rascheln Sie im Laub oder singen sie.

Bache mit Frischlingen - Foto: © Martina Berg

Bache mit Frischlingen – Foto: © Martina Berg

Eine überraschte Bache stellt die Borsten auf und schnaubt

Stehen Sie trotzdem unvermutet vor einer Bache mit Frischlingen, dann wird das Muttertier seine Borsten aufstellen und drohend schnauben. Oft macht sie auch einen Scheinangriff indem sie in vollem Tempo auf den Eindringling zurennt. Sie kann aber auch wirklich angreifen und sofort zubeissen.

Arme hochreißen und schreien

Wenn Sie in eine solche Situation geraten, dann sollten Sie nicht ängstlich weglaufen, denn die Bache ist mit Sicherheit schneller als Sie. Sondern zunächst die Arme hochreissen und laut rufen („He, ho, ich hau ja schon ab!“). Dann treten Sie Sie ohne Panik und mit normaler Schrittgeschwindigkeit den Rückzug an. Auch die wütende und ängstliche Mutter wird dann zusammen mit ihrem Nachwuchs in die entgegengesetzte Richtung verschwinden.




Wütende Bache – Foto: © Martina Berg

Niemals scheinbar alleingelassene Frischlinge anfassen!

Auch wenn Sie einen einzelnen, scheinbar verlassenen Frischling im Wald finden: fassen Sie ihn auf keinen Fall an oder heben Sie ihn hoch. Die Mutter ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der Nähe. Ein Quiken des Frischlings reicht und Sie haben es binnen Sekunden mit der wütenden Bache zu tun.

Mama ist bestimmt nicht weit! – Foto: © Martina Berg

Bachen-Bisse sind sehr schmerzhaft

Zwar haben Bachen meist kürzere und auch nicht so scharfe Eckzähne wie die männlcihen Wildschweine (Keiler). Sie setzt ihre Hauer auch meist nicht als Waffe ein sondern beißt lieber zu. Ihre Bisse sind sehr schmerzhaft und führen meist zu gefährlichen Entzündungen. Es ist also immer besser, diese schmerzhafte Erfahrung zu vermeiden.

Keiler sind Einzelgänger

Die Keiler sind außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger und daher nicht mit den Frischlinge führenden Bachen zusammen. Wildschweingruppen werden immer von erfahrenen Bachen angeführt, die Konflikten eher aus dem Weg gehen, statt anzugreifen.

Agressive Keiler während der Paarungszeit

Besonders agressiv sind die Keiler während der Paarungszeit von etwa Ende November bis Mitte Dezember. Ihre Angriffslust richtet sich dann nicht nur gegen rivalisierende andere Keiler sondern auch gegen unvorsichtige Menschen. Mit Ihren großen und rasiermesserscharfen Eckzähnen (Hauern) können sie tiefe Wunden verursachen. Auch einem wütenden Keiler sollten Sie mit selbstbewußtem Auftreten, Schreien und langsamen Rückzug begegnen.




Kämpfende Keiler – Foto: © Martina Berg

Wenn Sie sich an diese Ratschläge halten, dann sind Sie während eines Waldspaziergangs vor unliebsamen Überraschungen mit Wildschweinen sicher. Vielleicht haben Sie ja auch einmal die Möglichkeit, mit einem befreundeten Jäger von einem Hochsitz aus eine Wildschweinrotte in einer Suhle zu beobachten – ein unvergessliches Naturerlebnis!

Wildschwein-Großfamilie – Foto: © Martina Berg

Ihnen gefällt dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn doch bitte in Ihren sozialen Netzwerken – und folgen Sie mir auf meiner Facebookseite!

Wenn Sie eines dieser Angebote bei Amazon kaufen, erhalte ich eine kleine Provision, Sie bezahlen aber keinen Cent mehr.

Über Martina Berg (450 Artikel)
Bogenschützin, Antiquarin, Bloggerin und Fotografin aus dem Lipperland. Bogenschützen finden auf www.bogensport-deutschland.de interessante Informationen und Bogensport-Artikel.

1 Kommentar zu Wie Sie eine Begegnung mit Wildschweinen unbeschadet überstehen

  1. Bin seit Jahren nachts mit Fahrrad und zwei Chihuahuas in unserer Gemarkung unterwegs. Anfangs wusste ich gar nicht, dass es in unserer Gegend noch Wildschweine gibt, bis ich irgendwann lautes Gegrunze hörte und bei unserem Förster nachfragte. Der schätzte die Population auf über 100 Individuen.
    Letztes Jahr traf ich dann auf dem Radweg auf eine Rotte. Meine Hunde waren zum Glück im Fahrradkorb auf dem Gepäckträger. Ich stand da und bewegte mich nicht. Die Rotte stand da und bewegte sich nicht. Nach einigen Sekunden machten sich die Tiere ins Unterholz davon.
    Gestern Nacht dann die wohl bisher gefährlichste Begegnung. Ich bewanderte einen einsamen Wirtschaftsweg, hörte dabei Musik und war insgesamt ziemlich laut, ich störte ja niemanden. Die Hunde, vielleicht 10 Meter vor mir, blieben plötzlich stehen und beäugten neugierig das Gebüsch am Straßenrand. Als ich näher trat und meine sehr helle Fahrradlampe auf das Gebüsch richtete, hörte ich plötzlich leises Grunzen – und zwischen dem Geäst erschien ein winziges Wildschweinbaby und betrachtete uns interessiert. Der Frischling war zuckersüß und nicht grösser als meine Hunde, die vor Begeisterung (Boah, leichte Jagdbeute!) ausflippten. Zum Glück habe ich die kleinen Racker gut im Griff. Ich konnte sie von dem Frischling wegtreiben, dann sprang ich auf’s Rad und sah zu, dass ich Land gewann, die Hunde trieb ich vor mir her. Nach vielleicht 200 Metern stoppte ich die wilde Flucht.

    Keine Ahnung, wieso der Frischling alleine war. Ich nehme an, die Bache hat, als sie mich kommen hörte, den Rückzug angetreten und das Kleine blieb zurück. Jedenfalls habe ich einen ziemlichen Schreck bekommen. Es war ja um mich herum stockdunkel – und ich hatte keine Ahnung, ob die Bache sich schon irgendwo in der Nähe im Angriffsmodus befand.

    Zum Glück alles gut gegangen, alle gesund und der Frischling hoffentlich wieder geborgen bei seiner Mama 🙂

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.