Geier als Leichensucher im Polizeidienst

Bereits seit einigen Jahren erhält ein Truthahngeier (Cathartes aura) mit dem treffenden Namen Sherlock im Vogelpark Walsrode eine Ausbildung als Leichensucher.

Sherlock, Colombo und Miss Marple als Hilfspolizisten

Das bisher weltweit einzigartige Polizei-Geier-Projekt wurde vor einem Jahr durch zwei Artgenossen, die aus dem Vogelpark St. Primus im österreichischen Kärnten stammen, verstärkt. Auch diese beiden Geier hören auf Namen, die ihrer künftigen Tätigkeit entsprechen: Colombo und Miss Marple.

 

Mönchsgeier

Ein Mönchsgeier – vielleicht auch bald im Polizeidienst? – Foto: © Martina Berg




Truthahngeier verfügen über einen ausgezeichneten Geruchssinn

Der außerordentliche Geruchssinn und extrem scharfe Augen machen Truthahngeier zu besonders geeigneten Luftpolizisten. Truthahngeier haben ein schwarzes Gefieder, lange und breite Flügel sowie einen geiertypischen unbefiederten, roten Kopf. Ausgewachsene Tiere erreichen ein Gewicht von bis zu zwei Kilogramm, eine Körpergröße von bis zu 76 Zentimetern und eine Flügelspannweite von zwei Metern. Seinen Namen verdankt der Truthahngeier seinem nackten, roten Kopf, der bei erwachsenen Tieren sehr stark an den Kopf eines Truthahns erinnert.

Heimat des Truthahngeiers ist Amerika

Beheimatet ist der eindrucksvolle Vogel in Süd-, Mittel- und Nordamerika. Hier kommt er von Feuerland und den Falklandinseln bis zur Südgrenze Kanadas vor. Der Lebensraum der Vögel ist recht variabel: sie kommen sowohl in Wäldern als auch auch in offenem Gelände und in Wüsten vor. In Gebirgen findet man sie in Höhen von bis zu 4.300 Metern.

Truthahngeier suchen einzeln oder in kleinen Gruppen im Gleitflug kreisend nach Kadavern. Da sie kaum selber jagen, sind sie fast ausschließlich auf Aas als Nahrung angewiesen. Das Aas spüren sie mit ihrem hoch entwickelten Geruchssinn auf. Selbst aus sehr großer Höhe finden sie Kadaver, die unter Laub oder im Gebüsch verborgen sind.



Training mit Leichentüchern

Das Landeskriminalamt Niedersachsen verspricht sich von den Geiern schnellere Erfolge bei der Leichensuche. Aus der Luft kann man größere und unwegsame Gebiete erheblich schneller absuchen als dies bisher mit Spürhunden der Fall ist. Die Idee zu diesem Projekt hatte übrigens ein Kriminalbeamter aus Kaiserslautern, der in einem Tierfilm über die Aasfresser gesehen hatte, wie zielsicher diese ihre Nahrung aufspürten.

Trainiert wird in Walsrode natürlich nicht mit echten Leichen. Ein Stück Leichentuch genügt, um die Geier auf den menschlichen Leichengeruch abzurichten. Sherlock beherrscht diese Übung schon recht erfolgreich – allerdings sucht er bisher lieber zu Fuß statt in der Luft über dem Gebiet zu kreisen, in dem er suchen soll. Und das ist natürlich nicht so ganz im Sinn der Polizei. Jetzt hofft man, daß Sherlock von seinen beiden Artgenossen dazu animiert wird, seine Suche demnächst in die Luft zu verlegen. Die Chancen dazu stehen gut, weil Geier längere Strecken gern in Kleingruppen fliegen.

Der endgültige Einsatz kann noch dauern

Allerdings muß sich die kleine Geiertruppe erst noch zusammenraufen – denn raufen, daß ist den Vögeln nach Auskunft ihres Trainers leider noch manches mal wichtiger als ihre Polizeiarbeit. So kann es wohl noch einige Zeit dauern, bis man das Geiertrio am niedersächsischen Himmel im Einsatz sehen wird.

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Über Martina Berg (441 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

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