Der schlimmste Insektenstich quält 24 Stunden

Paraponera clavata ist eine der größten Ameisenarten der Welt. In Deutschland trägt sie den Namen 24-Stunden-Ameise, ihr englischer Name ist Bullet Ant (dt.: „Gewehrkugelameise“). Die Arbeiterinnen erreichen eine Größe von 18 bis 25 mm. Das ist ganz ordentlich, die größte in Deutschland vorkommende Ameisenart, die Rossameise, mißt maximal 14 mm.

24-Stunden-Ameise (Paraponera clavata) - © Hans Hillewaert / CC-BY-SA-4.0

24-Stunden-Ameise (Paraponera clavata) – © Hans Hillewaert / CC-BY-SA-4.0

Die tropische Riesenameise lebt in den Regenwäldern Süd- und Mittelamerikas entlang der atlantischen Küste bis nach Costa Rica. Auch im Amazonasbecken ist sie zu finden. Im Andenvorland erstreckt sich ihr Lebensraum bis zu einer Höhe von etwa 500 Metern. Die Tiere sind schwarz, manchmal auch bräunlich, behaart und mit goldfarbenen Vorderbeinen. Sie ähneln von der Gestalt her einer Wespe ohne Flügel.




Der Stachel enthält ein starkes Gift, mit dem das Insekt Beutetiere lähmt und sein Territorium verteidigt. Das Nervengift Poneratoxin verursacht beim Menschen die stärksten Schmerzen, die ein Insektenstich hervorrufen kann.

Auf der Skala des Stich-Schmerzindexes (Schmidt Sting Pain Index) des amerikanischen Insektenforschers Justin O. Schmidt, die von 1.0 bis 4.0+ reicht und die Schmerzheftigkeit beschreibt, ist der Stich von Paraponera clavata der Spitzenreiter mit dem höchtsmöglichen Wert von 4.0+. Menschen, die gestochen wurden, beschreiben den Schmerz als ein Gefühl, als würde man bei lebendigem Leibe verbrannt.




24 Stunden müssen Betroffenen diese Schmerzen ertragen, dann lassen sie allmählich nach, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Diese Tatsache führte zur deutschen Bezeichnung der Ameise. Eiswasser direkt nach dem Stich auf die betroffene Stelle lindert die Schmerzen etwas. Außerdem hilft die Einnahme von Benadryl-Kapseln (Diphenhydramin). Am allerbesten ist es aber, diese Tierchen nicht zu reizen und ihnen aus dem Weg zu gehen.

Die Sateré-Mawé, ein indigenes Volk, das in Brasilien im Amazonsgebiet lebt, nutzen die 24-Stunden-Ameisen für eine Mutprobe, die Teil eines Initiationsrituals sind.

Heranwachsende Männer müssen dort eine halbe Stunde lang einen aus Pflanzenfasern hergestellten Handschuh tragen, der mit zahlreichen Ameisen gefüllt ist. Nur Jungen, die die Schmerzen der Ameisenstiche ertragen, empfehlen sich für Führungspositionen im Stamm.

Da bevorzuge ich ja doch eher Assessment-Center, obwohl ich diese Art des Auswahlverfahrens auch nicht gerade liebe.



Über Martina Berg (447 Artikel)
Bogenschützin, Antiquarin, Bloggerin und Fotografin aus dem Lipperland. Bogenschützen finden auf www.bogensport-deutschland.de interessante Informationen und Bogensport-Artikel.