12.500.000.000.000 = die größte Tieransammlung aller Zeiten

Grob geschätzte 12.500.000.000.000 oder kürzer gesagt 12,5 Billionen Heuschrecken der Art Felsengebirgsschrecke oder Rocky-Mountain-Heuschrecke (Melanoplus spretus) bildeten den unglaublich riesigen Schwarm, der 1875 den us-amerikanischen Bundesstaat Nebraska heimsuchte.

Felsgebirgsschrecke - Historische Abbildung

Felsgebirgsschrecke – Historische Abbildung

Damit war es die bisher größte dokumentierte Tieransammlung aller Zeiten auf unserem Planeten – wenn man von Plankton oder noch kleineren Lebewesen einmal absieht.

Der Heuschreckenschwarm zog vom 15. bis 25. August 1875 über Nebraska. Der Wissenschaftler A.L. Child beobachtete dieses Naturschauspiel 5 Tage lang und schrieb darüber einen Bericht, der die folgenden unglaublichen Zahlen über den Schwarm enthielt:

  • Länge des Schwarms: 1.880 Meilen (3000 Kilometer)
  • Breite des Schwarms:  110 Meilen (175 Kilometer)
  • Größe des Schwarms: 514.400 km2 (das ist mehr als die Fläche Kaliforniens)
  • Anzahl Heuschrecken: 12,5 Billionen
  • Gewicht des Schwarms: 27,5 Millionen Tonnen

Die Felsengebirgsschrecke war die größte Heuschreckenart, die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts im Mittleren Westen der USA und in Teilen Kanadas lebte. Es gibt bereits aus dem 17. Jahrhundert Berichte von riesigen Schwärmen, die den Himmel verdunkelten und die Menschen in Angst und Schrecken versetzten.

Lebenszyklus der Felsengebirgsschrecke

Lebenszyklus der Felsengebirgsschrecke

Im Eis der Gletschern in Wyoming und Montana wurden konservierte Tiere gefunden, die mittels der Radiokarbon-Methode auf Anfang des 17. Jahrhunderts datiert wurden. Die Schwärme überquerten auf ihren Wanderungen die Rocky Mountains, daher resultiert auch der Populärname „Rocky-Mountain-Heuschrecke“.

Die seit Jahrhunderten immer wieder auftretende Plage – besonders große Schwärme gab es in den 1870er Jahren – verebbte nach und nach. 1902 wurde im Süden Kanadas das letzte lebende Exemplar gesichtet, seitdem gilt diese Spezies als ausgestorben. Wieso diese Art verschwand, konnte bis heute nicht einwandfrei wissenschaftlich geklärt werden.

Schwärmt nicht - unser heimischer Grashüpfer - Foto: © Martina Berg

Unsere einheimischen Grashüpfer sind keine Schädlinge – Foto: © Martina Berg

Es gibt eine Theorie, nach der das Pflügen und Bewässern der Felder und Äcker durch die Siedler den Lebenszyklus der Felsengebirsgschrecken so nachhaltig gestört hat, dass sie sich nicht mehr vermehren konnten. Zum Glück für die amerikanischen Farmer. Denn hätte diese Heuschreckenart überlebt, dann wäre sie wahrscheinlich noch heute ein großes Problem für die Landwirtschaft.

Zwar gibt es einige andere Kurzfühlerschreckenarten, die, wenn sie schwärmen, die Ernteerträge in Nordamerika stark beeinträchtigen. Doch dies ist harmlos gegenüber dem möglichen Kahlfraß durch die Rocky-Mountain-Heuschrecken.

Eine weitere einheimische, harmlose Heuschreckenart: ein Warzenbeisser - Foto: © Martina Berg

Eine weitere einheimische, harmlose Heuschreckenart: ein Warzenbeisser – Foto: © Martina Berg

Weil Heuschreckenplagen aber nicht nur in Amerika sondern auch besonders auch in den armen Ländern Afrikas ein sehr großen Problem darstellen, suchen Wissenschaftler intensiv nach der Ursache für das Verschwinden der Felsengebirgsschrecke. Vielleicht läßt sich daraus eine Methode entwickeln, um zukünftig die Schwärme erfolgreich zu bekämpfen.

Eine Reportage des ZDF-Auslandsjournals berichtet aus dem Sudan über eine Heuschreckenplage, die das Land 1988 heimsuchte:

Über Martina Berg (425 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*