Penis-Gefechte, knutschende Fische und Sex aus der Ferne

Die Sex- und Vermehrungspraktiken bei den Tieren sind oft faszinierend, bizarr und kompliziert. Heute möchte ich Ihnen alles über den Sex von drei Meeresbewohnern berichten. Es ist wirklich manchmal kaum zu glauben, was Mutter Natur sich so alles ausgedacht hat.

Penis-Gefechte bei den Strudelwürmern

Das australische Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens ist die Heimat des Meeresstrudelwurms Pseudoceros bifurcus. Die bis zu 6 cm großen, prächtig bunt gefärbten Würmer sind bekannt für eine ganz besonders bizarre Sexpraxis: sie benutzen ihre Penisse als Fechtwaffen.

Die Tiere sind Zwitter, die sowohl Eizellen als auch Spermien produzieren. Mit ihren Penissen führen sie Fechtkämpfe aus, an denen Errol Flynn seine helle Freude gehabt hätte. Die beiden Duellnaten versuchen bei diesen „Begattungskämpfen“ ihrem „Gegner“ die eigenen Spermien unter die Haut zu stechen. Dabei sind die Strudelwürmer sehr ausdauernd: es wurden Gefechte von mehr als einer Stunde Dauer beobachtet. Sobald es einem Tier gelungen ist, seinen Penis durch die Haut des anderen zu bohren, lassen die „Liebenden“ voneinander ab und der Geschlechtsakt ist beendet.

„Pseudoceros bifurcus - Blue Pseudoceros Flatworm“ von Stephen Childs - http://www.flickr.com/photos/steve_childs/233603352/. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pseudoceros_bifurcus_-_Blue_Pseudoceros_Flatworm.jpg#mediaviewer/File:Pseudoceros_bifurcus_-_Blue_Pseudoceros_Flatworm.jpg

„Pseudoceros bifurcus – Blue Pseudoceros Flatworm“ von Stephen Childs – http://www.flickr.com/photos/steve_childs/233603352/. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons

Knutschende Fische

Neben dem „Küssenden Gurami“ (Helostoma temminkii), dessen Name ja bereits seine Vorliebe verrät, gibt es einige weitere Fischarten, denen Knutschen scheinbar gefällt. Die Guramis, die zu den Labyrinthfischen gehören, sind aber ganz besonders begeisterte Küsser. Während der Balz pressen die Küssenden Guramis in sehr menschlicher Art und Weise ihre Münder aufeinander. Dabei spielen sie bis zu 25 Minuten mit den Lippen ihres Partners.

Diese Fische sehen durch ihre wulstigen Lippen immer so aus, als würden sie um einen Kuss betteln. Erstaunlicherweise befinden sich auf den Lippen winzige, bewegliche Zähne. Sonst ist ein Gurami völlig zahnlos.

„Kissfish“ von Matthew1968 at en.wikipedia - Originally from en.wikipedia; description page is/was here.. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kissfish.jpg#mediaviewer/File:Kissfish.jpg

„Kissfish“ von Matthew1968 at en.wikipedia – Originally from en.wikipedia; description page is/was here.. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org /wiki/File:Kissfish.jpg#mediaviewer/File:Kissfish.jpg

Um noch einmal auf die Kussdauer zurück zu kommen: 25 Minuten ist schon eine recht lange Zeit. Wenn man bedenkt, dass der längste Kuss der Filmgeschichte nur 3 Minuten und 27 Sekunden gedauert hat. Zu sehen ist er in dem Film „Elena Undone“ aus dem Jahr 2010. Es ist auch gleichzeitig der längste lesbische Kuss, der bisher über die Filmleinwand flimmerte.

Der menschliche Weltrekord im Dauerküssen hält seit 2013 ein thailändisches Paar: 58 Stunden, 35 Minuten und 58 Sekunden berührten sich die Lippen von Ekkachai Tiranarat (44) und Laksana (33). Auch beim Trinken und auf der Toilette liessen sie dabei nicht voneinander ab.

Penis, oder genauer gesagt Begattungsarm, allein unterwegs

Die recht seltenen, aber in allen tropischen Meeren vorkommenden Papierboote sind Tintenfische, die besonders wunderlich aussehen und sich auch so verhalten. Ihren Namen bekam diese Kopffüßerart von der Schale des Weibchens, die aussieht, als wäre sie aus Papier. Diese Schale dient dem weiblcihen Tier als Behausung und schützt die Eier.

Papierboot_Argonauta_200705181139

„Papierboot Argonauta 200705181139“ von Bernd Hofmann at de.wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/ File:Papierboot_Argonauta_200705181139.jpg

Das viel kleinere und schalenlose Männchen hat scheinbar keine Lust auf „richtigen Sex“ und praktiziert eine etwas gruselige Art der Befruchtung: es trennt einen speziellen „Begattungsarm“ – also quasi seinen Penis ab. Dieser Arm schwimmt dann mitsamt Spermien vom Männchen weg und sucht völlig eigenständig ein Weibchen. Dies funktioniert auch über größere Entfernungen recht gut. Die Befruchtung findet dann ohne den Eigentümer des Begattungsarmes statt.

So muß sich das Papierboot-Männchen nicht mit so profanen Dingen wie Fortpflanzung abgeben und kann sich wichtigeren Dingen widmen.

Über Martina Berg (422 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

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