Tödlich, Sprungweltmeister, Anpassungskünstler: Frösche

Frösche sind wahre Anpassungswunder der Natur und haben auch sonst allerhand interessante Verhaltensweisen zu bieten. Manche sind giftiger als Kreuzottern, andere können klettern wie Eichhörnchen.

Selbst ein „ganz normaler“ europäischer Springfrosch (Rana dalmatina) schafft locker Zwei-Meter-Sprünge. Das ist ziemlich genau das 33fache seiner eigenen Körperlänge. Ein Mensch müßte über 63 Meter weit springen, um es mit diesem Superhüpfer aufzunehmen.

Springfrosch - © Karin Jähne - Fotolia.com

Springfrosch – © Karin Jähne – Fotolia.com

Über 5800 Froschlurche und täglich werden es mehr

Über 5800 Arten zählt die Ordnung der Froschlurche heute. Die genaue Zahl ändert sich fast täglich, da gerade in den tropischen Gebieten unserer Erde ständig neue Arten entdeckt werden. Dazu gehören so anpassungsfähige wie ein brasilianischer Greiffrosch, der seine Farbe der Umgebung anpassen kann oder der nur zwei Zentimeter große Frünfstreifen-Baumsteiger, der in Französisch-Guayana auf Bäumen lebt und jagt. Und auch der große südamerikanische Hornfrosch, der sich bei Gefahr aufblasen kann, bis er breiter ist als lang.



Auf der ganzen Welt zu Hause

In nahezu jeder Region unserer Erde leben die schlüpfrigen Hüpfer. Meist genügt schon eine Pfütze, ja manchmal gar eine Wasserlache auf einem Blatt oder in einem Astloch und schon macht es Quak. Nur die extremen Eis- und Wüstenregionen sind froschfrei. Dabei waren noch vor etwa 300 Millionen Jahren die Frösche reine Wassertiere, die an Land nicht überleben konnten. Das war bezogen auf die fünf Milliarden lange Erdgeschichte ja erst kürzlich.

Erdkröten-Paarung – Foto: © Martina Berg

Gestern also, vor 300 Millionen Jahren, gab es eine Trockenperiode, in der Bäche, Seen und Teile der Meere austrockneten oder verlandeten. Dies führte zu einem Fischsterben. Nur die Urahnen der heutigen Frösche, die Quastenflosser, kamen auch an Land leidlich zurecht. Bis aus diesem urtümlichen Fisch aber Frösche wurden wie wir sie heute kennen, vergingen nochmal circa 150 Millionen Jahre.

Die ersten Töne eines Lebewesens: Quaken

Noch 50 Millionen Jahre später (es können auch noch ein paar Millionen mehr gewesen sein), brachten die Frösche eine Weltneuheit hervor: einen Ton, das berühmte Froschquaken. Forscher vermuten, dass Frösche als erste Lebewesen dieses Planeten zu Lautäußerungen fähig waren. Erstmals gab es Stimmbänder und einen Kehlkopf. Und dieses Instrumentarium nutzen Frösche heute noch gern und oft und auch laut.

Teichfrosch – Foto: © Martina Berg

Obwohl die Tiere jetzt geländegängig waren, haben sie bis heute das Schwimmen nicht verlernt. Der Frosch lebte jetzt in beiden Welten: an Land und im Wasser. Ins Wasser kehren fast alle Arten immer wieder zurück, meist, um für Nachwuchs zu sorgen. Und ihre enorme Anpassungfähigkeit macht die Gattung der Froschlurche nahezu unsterblich.



Frösche können sich an wechselnde Temperaturen ebenso anpassen wie an die Umgebung. Egal ob nass oder trocken, heiß oder kalt: der Frosch arrangiert sich und überlebt. Und auch wenn ab und an mal ein Frosch von einem Storch gefressen wird – Nachwuchs gibt es immer reichlich. Frosch-Weibchen leben je nach Art von 3.000 bis zu 20.000 Eiern.

Tödliche Haut: der Schreckliche Pfeilgiftfrosch

Der „Schreckliche Pfeilgiftfrosch“ (Phyllobates terribilis) trägt seinen Namen völlig zu recht. Das goldgelbe, kaum fünf Zentimeter kleine Tier ist eines der giftigsten auf der ganzen Welt. Die Chocos-Indios nehmen in einem Bastgkorb mit zur Jagd. So ist er für dieses kolumbianische Jägervolk eine immer präsente „Munitionsquelle“.

Es reicht völlig, mit einer Pfeilspitze über  die Haut des Frosches zu streichen. Trifft danach dieser mit einem Blasrohr verschossene Pfeil sein Zeil, dann ist den Jägern ihre Beute sicher. Denn schon 200 Milligramm des Froschgiftes genügen, um einen Menschen zu täten. Der Minifrosch trägt die zehnfache Giftdosis in seiner Haut.

Pfeilgiftfrosch - Foto: © DWaEbP - fotolia

Pfeilgiftfrosch – Foto: © DWaEbP – fotolia.com

Heilmittel gegen Fußpilz

Giftig sind übrigens alle Kröten und der größte Teil der Froscharten. Allerdings ist das Gift in der Regel nicht annähernd so gefährlich wie bei den Pfeilgiftfröschen Südamerikas. Ganz im Gegenteil: das Gift einiger unserer heimischen Frösche und Kröten wird unter anderem zur Heilung von Hautkrankheiten eingesetzt. Besonders wirksam sind Heilmittel mit Froschgift bei der Behandlung von Fußpilz.

Der größte Feind des Frosches ist – mal wieder – der Mensch

Leider helfen dem Frosch seine natürlich Verteidungsstragieen wie Gift, Tarnung und Untertauchen kaum gegen den menschen, seinen größten Feind. Zum einen gibt es immer noch Menschen, die Froschschenkel für eine Delikatesse halten. Allein in Frankreich wandern jährlich rund 500.000 Tiere in die Kochtöpfe.

Wer jedoch einmal gesehen hat, wie den Fröschen bei lebendigem Leib die Beine ausgerissen werden und der „Restfrosch“ qualvoll langsam verendet, dem wird der nächste Froschschenkel wohl quer im Hals stecken bleiben.

Illustration: © EdDo - Fotolia.com

Illustration: © EdDo – Fotolia.com

Im Namen der Wissenschaft lassen etwa 20 Millionen Frösche in den Versuchslaboren ihr Leben. Die größte Gefahr ist aber die weltweite Rodung der Urwälder und die zunehmende Zubetonierung der Landschaft sowie das immer dichter werdende Straßennetz. Gegen das Auto helfen die weitesten Sprünge nicht und in einer Umwelt aus Beton kann auch der anpassungsfähigste Frosch nicht überleben …

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Über Martina Berg (441 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

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