Erstaunliche Fakten über den Feldhasen

Die europäische Hasenfamilie ist recht überschaubar – die Ordung der Hasenartigen (Lagomorpha) umfaßt nur vier Vertreter:

  • den Feldhasen (Lepus europaeus)
  • den Kaphasen oder Wüstenhasen (Lepus capensis)
  • den Schneehasen (Lepus timidus)
  • das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)

Der Kap- oder Wüstenhase ist sehr nah mit dem Feldhasen verwandt und sieht ihm auch sehr ähnlich. Er ist etwas kleiner und sein Fell ist am Rücken dunkel gefleckt. Hauptsächlich lebt er in Afrika und auf der arabischen Halbinsel. In Europa kommt er in höhergelegenen Gebieten der Pyrenäenhalbinsel vor.

Zusammen mit dem Schneehasen ist der Feldhase der größte Hasenartige Europas. Schneehasen leben in Europa in Skandinavien, Schottland und Irland, im Alpenraum sowie im Baltikum und Osteuropa. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der bei uns in Deutschland am häufigsten vorkommenden Art, dem Feldhasen, den bestimmt Jeder schon einmal in freier Wildbahn gesehen hat.




Feldhasen leben in offenem Gelände

Am hellichten Tag wird man kaum einmal einen Hasen sehen, außer man kommt ihm in seiner Sasse versehentlich zu nahe. Dann springt er knapp vor dem Störenfried auf und ist blitzschnell verschwunden.

Feldhase auf einer Wiese - Foto: © Martina Berg

Feldhase auf einer Wiese – Foto: © Martina Berg

Tagsüber läßt sich ein Feldhase irgendwo auf einem Feld oder einer Wiese an geschützer Stelle nieder. Die Erdmulde, in der er dabei liegt, heißt Sasse. Diese Sasse steuert er nie auf geradem Weg an, um seinen Fressfeinden keine direkte Spur zu seinem Ruheplatz zu hinterlassen. Der Hase umkreist in weitem Bogen die ausgewählte Stelle, macht dann plötzlich einen Satz seitwärts, läuft dann wieder ein Stück, springt wieder und arbeitet sich so langsam an seine Sasse heran, um sie abschließend mit einem letzten großen Satz in Besitz zu nehmen. So macht der Hase es einem Fuchs oder Marder nahezu unmöglich, die Duftspur des Hasen bis zur Sasse zu verfolgen.




In seinem Versteck drückt sich der Hase ganz dicht an den Boden. Dabei ist er durch seine braune Fellfabe hervorragend getarnt. Dabei liegt er stets mit dem Kopf gegen den Wind. Dies hat zwei Gründe: zum einen kann der Wind so seine langen Grannenhaare nicht gegen den Strich hochwehen. So bleibt er besser gegen Kälte und Nässe geschützt. Und zum zweiten kann er so mit seiner dauernd schnuppernden, hochsensiblen Nase auch die geringste Witterung wahrnehmen.

Feldhase am Waldrand - Foto: © Martina Berg

Feldhase am Waldrand – Foto: © Martina Berg

Seine langen Ohren, die Löffel, legt er nach hinten. Dadurch kann er von dort jedes auch noch so kleine Geräusch auffangen. Die seitlich am Kopf sitzenden Augen erschließen imhm ein großes Sehfeld. Allerdings ist das Sehvermögen des Feldhasen recht gering, hauptsächlich nimmt er Bewegungen wahr. Für seinen offenen Lebnsraum, der nur wenig Deckung bietet, ist der Hase hervorragend ausgestattet.

Feldhasen flüchten bei Gefahr

Gehen Sie über Felder oder Wiesen spazieren, kann es passieren, dass plötzlich vor Ihnenein Hase aufspringt und davonflitzt. Dabei haben Sie das Tier keinesfalls überrascht. Er hat Sie schon längst gewittert und gehört aber gehofft, dass Sie in einem größeren Abstand als etwa 3 Metern an ihm vorbeigehen würden. Diese 3 Meter sind seine Fluchtdistanz, wird sie unterschritten, dann ergreift der Hase die Flucht.

Er flüchtet aber nicht kopflos, sondern rennt nur eine gewisse Strecke bevor er  anhält und sich auf den Hinterbeinen aufrichtet, um die Lage zu peilen. Bleibt ihm der Störenfried, beispielsweise ein Hund, auf den Fersen, setzt er seine Flucht fort. Der Feldhase erreicht mit seinen langen Hinterbeinen, den Läufen, Spitzengeschwindkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern erreichen. Dabei benutzt der Hase als Vortrieb eigentlich nur seine Hinterbeine, die an den Vorderbeinen außen vorbeigreifen und ihn vorwärtstreiben. die nacheinander aufgesetzten Vorderbeine dienen dabei nur als Stütze.

Hasenspur im Schnee - Foto: © Martina Berg

Hasenspur im Schnee – Foto: © Martina Berg

Kommt ihm der Verfolger trotzdem zu nahe, schlägt der Hase einen seiner berühmten Haken. Er ändert so schnell und abrupt die Laufrichtung, dass sein Verfolger einige Zeit weiter in die ursprüngliche Richtung läuft. Der Hase verschafft sich dadurch wieder einen größeren Vorsprung. Er steht eine solche Verfolgungsjagd gut und lange durch, denn eine große Lunge versorgt ihn dabei ausreichend mit der nötigen Luft.

Weder ein Fuchs noch ein Hund kann die Verfolgunsgjagd mit einem gesunden Hasen gewinnen. Füchse wissen dies und verzichten meist darauf, einem Hasen nachzusetzten. Hunde sind meist nicht so schlau und starten fast immer die erfolglose Hatz.

Feldhasen sind Pflanzenfresser

Sobald die Dämmerung beginnt, macht sich der Hase auf die Nahrungssuche. In klaren Nächten ist er dann bis zum Sonnenaufgang unterwegs und sucht nach frischem Gras, Klee und Feldfrüchten. Im Winter müssen es auch Rinde, Knospen und Zweige sein.

Zunächst beschnuppert der Hase seine Nahrung, dann beisst er sie mit seinen großen Nagezähen ab. Das klappt sehr gut, weil seine Oberlippe geteilt ist (Hasenscharte) und dadurch weggeklappt werden kann. Hinter den beiden Nagezähnen des Oberkiefers sitezn Stiftzähne, die das zoologische Unterscheidungsmerkmal zwischen den Hasenartigen und den Nagetieren sind.




Die Nagezähne wachsen dauern nach und werden durch ihr Gegeneinanderreiben ständig geschärft. Das der Schmelz der Vorderseite dabei dicker ist und sich langsamer abnutzt ist ein weiterer genialer Trick von Mutter Natur. Die Zunge schiebt die Nahrung zu den Mahlzähnen, die die pflanzliche Kost zerreiben. Dabei rutscht der Unterkiefer in einer besonders langen Gelenkpfanne vor- und zurück. Dabei entsthet die bekannte mümmelnde Bewegung, die der Hasen seinen „Spitznamen“ Mümmelmann zu verdanken hat.

Hasenlosung - Foto: © Martina Berg

Hasenlosung – Foto: © Martina Berg

Aus der Pflanzennahrung entsteht im Blinddarm ein weicher, stark vitaminhaltiger Kot, der teilweise nach der Ausscheidung vom Hasen wieder ausfgenommen und unzukaut geschluckt wird. Er erhöht dadurch seine Vitaminzufuhr.

Einige Zahlen und Fakten über den Feldhasen

Der Feldhase kommt in ganz Europa mit Ausnahme von Irland, Schottland und Skandinavien vor. Man findet ihn in Höhen bis zu 1500 Metern. Sein bevorzugter Lebensraum ist offenes Gelände. Daher fehlt er auch in großen Waldgebieten.

Die Länge des Felhasen beträgt 422–680 mm, die Schwanzlänge 62–133 mm, die Länge der Hinterfüße 93–185 mm und die Ohrlänge 85–129 mm. Ausgewachsene Tiere wiegen zwischen 2,5 und 6,4 kg.

Fliehender Hase - Foto: © Martina Berg

Fliehender Hase – Foto: © Martina Berg

Im Unterschied zu einem Wildkaninchen ist der Feldhase größer und hat längere Ohren mit dunklen Spitzen. Hasen sind außerhalb der Paarungszeit Einzelgänger. Die Weibchen können pro Jahr bis zu viermal jeweils 1 bis 4 Junge zur Welt bringen.

Aufgrund der starken Intensivierung der Landwirtschaft nimmt der Bestand der Feldhasen in Deutschland seit den 1960er Jahren immer mehr ab. Dies liegt an dem starken Dünger- und Pestizideinsatz und der Maschinennutzung, der viele Junghasen zum Opfer fallen. Trotzdem ist der Feldhase noch immer zur Jagd freigegeben. Leider fallen auch viele Hasen in der Dämmerung dem Straßenverkehr zum Opfer.

Suchbild: Spur in einem Kornfeld mit Hasen - Foto: © Martina Berg

Suchbild: Spur in einem Kornfeld mit Hasen – Foto: © Martina Berg

Feldhasen sind und bleiben echte Wildtiere. Sie können nicht in Gefangenschaft gehalten werden, da sie nicht zähm- und domestizierbar sind. Eingesperrte Hasen rennen oft so lange gegen die Umzäunung oder das Gitter, bis sie sterben. Die manchmal Stallhasen genannten Haus- und Schmusetiere sind keine Hasen, sondern Kaninchen.

Über Martina Berg (433 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

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