Einheimische Wildvögel ganzjährig füttern?

Im Winter, wenn eine Schneedecke und die Kälte die Futtersuche erschweren, ist es für viele Menschen selbstverständlich, unsere Wildvögel zu füttern. Ab etwa Mitte November tauchen vermehrt Futterhäuschen in den Gärten und auf Balkkonen auf. Und meist verschwinden sie dann im Frühjahr wieder.

Doch wie ist es während der übrigen Monate? Von Frühling über Sommer bis zum Herbst? Ist es da sinnvoll oder vielleicht eher schädlich, unseren gefiederten Freunden Futter zur Verfügung zu stellen? Eigentlich gibt es während dieser Zeit doch genug Nahrung: Früchte und Beeren reifen und zahlreiche Insekten stehen als Futtertiere für Wildvögel zu Verfügung.




Greift man nicht unnötig in das so viel gepriesene biologische Gleichgewicht ein, wenn man das Futterhäuschen das ganze Jahr über stehen läßt und mit Vogelfutter bestückt? Das Argument mit dem Eingriff in die Umwelt kann man so nicht stehen lassen. Denn der Mensch greift sowieso massiv in seine Umwelt ein. Straßen- und Siedlungsbau, intensive Landwirtschaft mit ausgedehnten Monokulturen, Gülle-, Dünger- und Pestizideinsatz sorgen immer mehr dafür, dass unsere Tierwelt und vor allem die Vögel immer weniger natürliche Nahrungsquellen zur Verfügung haben.

Grünlinge oder Grünfinken an einer Futterstelle – Foto: © Martina Berg

Aktuelle Studien haben belegt, dass es bei den Insekten in den letzten Jahren einen Rückgang von nahezu 80% (in Worten: ACHTZIG Prozent!) gegeben hat. Reine Insektenfresser sind dadurch extrem bedroht. Vögel, die neben Insekten auch Früchte und Beeren fresssen, weichen zwangweise immer mehr auf Obst aus. Und schon klagen die Obstbauern über eine „Vogelplage“. Denn gerade die Stare stürzen sich statt auf die fehlenden Insekten gern auf Kirschen und anderes Obst.

Aber nicht nur die Landwirtschaft trägt Schuld am Insektenrückgang und der Vernichtung der Nahrungsgrundlage unserer Vögel. Leider pflanzen auch viele Gartenbesitzer lieber exotische Ziersträucher statt einheimischer Pflanzen, die oft wichtige Nahrungsquellen für unsere Vögel sind. Und kaum tauchen Blattläuse oder Raupen im Ziergarten auf, wird sofort die chemische Keule ausgepackt. Und wieder wird dadurch Vogelfutter vernichtet.




Eine ganzjährige Futterstelle im Garten für unsere Wildvögel könnte wenigstens einen Teil der durch uns Menschen vernichteten Nahrungsvielfalt ersetzen.  Wenn Sie Gartenbesitzer sind oder einen Balkon Ihr eigen nennen, dann helfen Sie unseren Vögeln gerade auch im Frühjahr während der Jungenaufzucht mit einer Futter- und einer Wasserstelle. Noch besser wäre es natürlich, wenn Sie auch Ihren Garten vogelfreundlich gestalten. Verzichten Sie auf exotische Gewächse und pflanzen Sie heimische Blumen, Sträucher und Kräuter an. Lassen Sie einen Teil Ihres Gartens verwildern und „unaufgeräumt“. Gerade Brennnesseln sind eine wichtige Futterpflanze für zahlreichen Schmetterlingsraupen und Käfer.

Katze auf einem Nistkasten – Foto: © Martina Berg

Dazu noch eine oder zwei flache Wasserstellen, die von Vögeln gern zum Trinken und Baden genutzt werden. Und eine Ecke mit lockerer Erde oder Sand. Gerade Spatzen lieben es, ein ausführliches Sandbad zu nehmen um Ungeziefer aus ihrem Gefieder zu vertreiben.

Nun hat aber nicht jeder von uns einen Garten. Aber irgendwo findet sich fast immer eine kleine Ecke, in der man ein Futterhaus aufstellen kann. Sei es im Vorgarten, dem Hinterhof oder einem Balkon. Einen Ratgeber für Vogelfutterhäuschen und Nistkästen finden Sie hier.

Bei der Fütterung im Sommer sollten Sie einige Dinge beachten:

  • Viele Vögel brauchen im Sommer anderes Futter als im Winter. Informieren Sie sich, anstatt wahllos Futter zur Verfügung zu stellen.
  • Futterstellen sind immer mögliche Brutstätten für Krankheitserreger und müssen deshalb regelmäßig gereinigt werden. Bitte nur mit heißem Wasser und eine harten Bürste putzen, keine Reinigungsmittel oder Desinfektionsmittel benutzen.
  • Das Vogelfutter sollte vor Regen und Nässe geschützt werden. Nässe fördert Schimmelbildung und Krankheitserreger.
  • Vögel sind häufig „Frühaufsteher“, das Futter sollte deshalb am besten abends aufgefüllt werden.
  • Essensreste von uns Menschen sind als Vogelfutter völlig ungeeignet!
  • Katzen sind ein natürlicher Feind von Vögeln. Vögel müssen daher den Bereich um das Futterhaus daher gut überblicken können, um rechtzeitig flüchten zu können.
  • Mit der Fütterung im Sommer locken Sie unter Umständen mehr Vögel an, als sich natürlicherweise auf der Fläche ernähren könnten. Deshalb ist gerade während der Jungenaufzucht Verlässlichkeit wichtig. Auch während Ihres Sommerurlaubs müssen Sie Futter anbieten. Ein Nachbar muss also organisiert werden, der die Tiere während Ihrer Abwesenheit füttert und den Futterplatz sauber hält.

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Über Martina Berg (429 Artikel)
Fotografin, Autorin, Bloggerin, Bogenschützin und Antiquarin aus dem Lipperland. Mein Antiquariat "Die Bücher-Berg" finden Sie unter www.martinaberg.com. Eine Übersicht meiner weiterer Projekte steht rechts im Menü.

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